Gutachten zeigt wie dreckig Mercedes Diesel wirklich sind

Mercedes E 350

Ein vom Landgericht Stuttgart in Auftrag gegebenes Gutachten zeigt deutlich, wie viel Stickoxid Mercedes Diesel auf der Straße ausstoßen. Nämlich viel mehr, als auf dem Prüfstand und viel mehr als erlaubt.

Ein ganz klares Zeichen für die Verwendung von unzulässigen Abschalteinrichtungen. Denn diese sorgen dafür, dass die Fahrzeuge auf dem Prüfstand sauber erscheinen und die entsprechend gewünschte Typengenehmigung erhalten. Auf der Straße dagegen in der realen Fahrsituation sieht die Sache ganz anders aus. Hier stoßen die Autos ein Vielfaches der erlaubten Menge an Stickoxid aus und sorgen somit für schlechte Luft in deutschen Städten. So haben die Hersteller auch einen Anteil an den Diesel Fahrverboten, die Euro 4 und Euro 5 Diesel aus Straßenzügen in Berlin, Hamburg und Darmstadt und aus ganzen Stadtteilen in Stuttgart aussperren.

In dem Verfahren geht es um einen Mercedes-Benz E 350 CDI mit der Abgasnorm Euro 5. Das heißt, das Auto darf 180 mg/km Stickoxid ausstoßen. Es wurden vier Testfahrten durchgeführt, die von einem Sachverständigen überwacht und ausgewertet wurden. Die Ergebnisse sind eindeutig: Der Mercedes ist viel zu dreckig. Die folgende Grafik zeigt, wie dreckig: Statt der erlaubten 180 mg/km (100%) ergaben die Testfahrten Werte zwischen 450 und 680 mg/km (378%). Fast das Vierfache des Erlaubten!

Zeigt sich das Gericht überzeugt davon, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung vorhanden ist und der Kläger vorsätzlich und sittenwidirg von der Daimler AG geschädigt wurde, dann wird es Schadensersatz zusprechen. Der Kläger kann dann das Auto zurückgeben, während Daimler ihm den Kaufpreis erstatten muss. Der Nachweis, dass die E-Klasse den Grenzwert nur auf dem Prüfstand einhält, stärkt die Position des Klägers ganz erheblich.

Gutachten Mercedes E-Klasse

Am 21. Januar 2020 beauftragte das Landgericht Stuttgart einen Sachverständigen. Er sollte die Behauptung des Klägers, vertreten von HAHN Rechtsanwälte prüfen:

"der Stickoxidausstoß des streitgegenständichen Fahrzeugs liege oberhalb des gesetzlich zulässigen Grenzwertes von 180 mg/km."

Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen Mercedes-Benz E 350 CDI mit der Abgasnorm Euro 5. Die Testfahrten müssen dabei unter "normalen Nutzungsbedingungen", bzw. "normalen Betriebsbedingungen" durchgeführt werden. Dazu gehört, dass nie über 130 km/h gefahren werden darf und dass Temperaturen zwischen -10 und +35 Grad herrschen müssen. Der Sachverständige darf die Strecke selbst festlegen und entschied sich für eine Mischung aus etwa jeweils einem Drittel Stadtfahrt, Landstraße und Autobahn. Die 4 Testfahrten dauerten jeweils etwa eine Stunde. Zuvor wurde jedoch noch das Realmessgerät auf dem Rollenprüfstand validiert. So wurde sichergestellt, dass dieses genauso misst wie die Messtechnik des Rollenprüfstands.

Der Gutachter weist zudem daraufhin, dass jeweils zwei Messfahrten mit kaltem und zwei mit einem betriebswarmen Motor durchgeführt wurden, dabei jeweils eine am Morgen und eine am Nachmittag.

ERGEBNISSE:

1. Messfahrt: 681,12 mg/km

2. Messfahrt: 625,54 mg/km

3. Messfahrt: 452,28 mg/km

4. Messfahrt: 593,41 mg/km

 

Grenzwert: 180 mg/km

Stickoxidausstoß trotz idealer Bedingungen viel zu hoch

Die Ergebnisse zeigen, dass die Mercedes E-Klasse den zulässigen Grenzwert auf der Straße um ein Vielfaches überschreitet. Besonders hervorzuheben ist dabei die Tatsache, dass ideale Bedingungen herrschten. Die Temperaturen lagen immer zwischen 18 uns 29 Grad - ein Thermofenster, das die Abgasreinigung bei niedrigeren Temperatur drosselt, konnte also noch nicht einmal zum Einsatz kommen. Hätten niedrigere Temperaturen geherrscht, wären die Ergebnisse höchstwahrscheinlich noch viel schlechter ausgefallen.

Bei der "saubersten" Fahrt, bei der der Grenzwert immerhin auch noch um das Zweieinhalbfache überschritten wurde, musste das Auto längere Zeit auf der Landstraße hinter einem langsamen LKW herfahren. Hierdurch wurde der Stickoxidausstoß reduziert - war aber dennoch viel zu hoch.

Daimler kann sich also wahrlich nicht beschweren - selbst unter idealen Bedingungen hat der Mercedes Diesel keine Chance, auf der Straße den gesetzlichen Stickoxid-Grenzwert einzuhalten.

 

HAHN Rechtsanwälte sieht sich in seinen Vorwürfen bestätigt, dass die Mercedes Diesel nur auf dem Prüfstand sauber sind und zwar dank einer unzulässigen Abschalteinrichtung.